Anti-Gewalt-Training
Differenzierung zwischen Deeskalations- und Anti-Gewalt-Training
Während ein Deeskalationstraining
ein präventives, also vorbeugendes und gewaltverhinderndes Ziel
verfolgt und freiwillig besucht werden kann, richtet sich ein
Anti-Gewalt-Training an gewaltbereite Jugendliche, die auf Grund
richterlicher Anordnung an einem Training teilnehmen.
Grundideen eines Anti-Gewalt-Trainings
Die Grundidee des Anti-Gewalt-Trainings stammt aus der konfrontativen Pädagogik. Das Motto lautet, um ein Zitat aus dem gleichnamigen Buch von Prof. Dr. phil. Jens WEIDNER zu gebrauchen: Den Menschen mögen und verstehen, aber mit seinem (abweichenden bis kriminellen) Handeln nicht einverstanden sein!
Kinder und Jugendliche, die in einem sozialen Umfeld aufwachsen,
welches sich durch einen großen Mangel an Berechenbarkeit auszeichnet,
können durch aggressives Verhalten auffällig werden. Gerade diese
Kinder sind daher in besonderer Weise darauf angewiesen, übersichtliche
Regeln zu erhalten. Durch klare Regeln sowie einen eindeutigen Rahmen –
und Konsequenzen bei einem Regelverstoß – verbessert sich das soziale
Klima. Diese Verbesserung führt zu einer Minderung von aggressivem
Verhalten.
Zielsetzung
Ziele des Anti-Gewalt-Trainings sind unter anderem:
- Reduzierung des aggressiven bzw. gewalttätigen Verhaltens
- Erhöhung der Hemmschwelle, körperliche Gewalt anzuwenden
- Erlernen von Konfliktvermeidungs- und alternativen Handlungsstrategien
- Stärkung der Frustrationstoleranz und Selbstkontrolle
- Förderung von Selbstsicherheit und Einfühlungsvermögen
- Verfeinerung der Kommunikationskompetenz
Zielgruppe
Anti-Gewalt-Trainings
richten sich an Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene, welche
durch ein aggressives und zerstörerisches Verhalten auffällig geworden
sind.
Ziele des Anti-Gewalt-Trainings
- Selbsterkennung von:
- aggressiven Gefühlen, verbunden mit körperlichem Empfinden
- eigenen Stärken und Schwächen
- eigener Befindlichkeit
- persönlichen Grenzen
- Gewalt erkennen und benennen können:
- Verbesserung der Wahrnehmung
- Definitionserklärung
- Selbsterfahrung in speziellen Rollenspielen
- Persönliche Aggressionen erkennen:
- Wahrnehmung des eigenen Verhaltens
- Rückmeldung der Gruppe über das eigene Verhalten
- Reflektion des eigenen Verhaltens
- Selbsterfahrung als Opfer und Täter:
- Entwicklung von Tätern-Opfer-Empathie
- Gewaltvermeidung durch
- aktive Kommunikation
- frühzeitige Wahrnehmung
- angemessenes Verhalten
- Weitere Methoden:
- Kämpfen nach Regeln
- Partnerinterviews
- Gruppengespräche
- Interaktionsspiele
- Konfrontationsübungen
- Training von Deeskalationsstrategien
Inhalte des Anti-Gewalt-Trainings
- Deskriptionsphase
- persönliche Vorstellung
- Lebenslauf
- inhaltliche Überprüfung der Gerichtsurteile oder Protokolle der Schul- bzw. Klassenkonferenz
- Konfrontationsphase
- Heißer Stuhl
- Opferperspektive und genaue Beschreibung der Gewaltfolgen für alle Beteiligten
- Dissonanzphase
- Erkennen der eigenen Mickrigkeit, Hilflosigkeit, Kränkbarkeit
- Spüren des Unterschiedes zwischen Idealselbst (Anspruch und Wunsch) und dem Realselbst (so bin ich)
- Transparenzphase
- Erkennen der Funktion der Gewalttat für die eigene Gefühlsbalance
- Beschreibung der kompensativen Handlungen zur kurzfristigen Aufhellung der momentanen Stimmungslage
- Phase des Attraktivitätstrainings
Kompetenzerweiterung durch
- Flirttraining
- Bewegungstraining
- Rhetoriktraining und Verbesserung der Kommunikation
- Ausdauer- und Muskeltraining (körperbetonte sportliche Spiele)
- Entspannungstraining
- Phase des Realitätstests und Solidaritätstrainings
Durchführung von helfenden und unterstützenden Handlungen
- Stabilisierungsphase
Rahmenbedingungen
Ein
Training sollte aus 6 bis maximal 10 Teilnehmern bestehen und umfasst
mindestens 80 Stunden. Die Teilnehmer erklären sich durch ihre
Unterschrift mit den gemeinsamen Regeln einverstanden. Ebenfalls
erklären Sie mit ihrer Unterschrift, dass sie im Falle eines
Regelverstoßes mit einer Konfrontation nach dem vereinbarten Modell „Fünf Stufen der Konfrontation“
einverstanden sind. Über eine Teilnahme der einzelnen Personen
entscheidet der Trainer nach vorherigen Gesprächen mit der jeweiligen
Person. Während des Trainings ist ein Betreuer oder Lehrer mit einem
guten Status in der Gruppe mit anwesend. Zu beachten ist, dass im
schulischen Bereich der Trainingsinhalt „Heißer Stuhl“ durch einen
Provokationstest ersetzt wird.